Das leere Regal

 

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Umstände. Jeder von uns muss versuchen, in seinem privaten, beruflichen und öffentlichen Einflussbereich alles Mögliche zu tun, um die Gefahr, die mit dem Virus durch unsere Gesellschaft wandert, aufzuhalten. Die allgemein als sinnvoll erkannte Lösung ist die soziale Abschottung. Gut. Das heißt natürlich keine Großveranstaltungen, kein Treffen von Personen außerhalb des engsten sozialen Kreises, keine Reisen, Partys oder Restaurantbesuche. Aber nicht alles kann aufhören - die Versorgung mit Lebensmitteln muss gewährleistet sein. Die verschiedenen Supermarkt-Ketten haben hier erstaunlich schnell brauchbare Lösungen gefunden, ihre Mitarbeiter in dieser Zeit zu schützen. So bleibt die Versorgung weiterhin gewährleistet und es kommt weder zu einer Hungersnot, noch zu Plünderungen oder Chaos. Seife, Obst, Gemüse, Medikamente, Brot und jede Art von Ostersüßigkeiten können weiterhin bezogen werden. Körperlich müssen die Menschen nichts entbehren.

Aber was ist mit den Seelen? Welche Lebensmittel brauchen die Seelen um zu überleben?

Glaubt man tatsächlich an die Unsterblichkeit der Seele, so muss ihre Versorgung langfristig sogar noch wichtiger erscheinen, als die des Leibes? Und wenn es Ziel und Sinn der Seele des Menschen ist, zu Gott zu kommen und in ihm (ewig) zu leben, dann sind für sie die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, tatsächlich lebensnotwendig. Natürlich kann man eine Zeit ohne Eucharistie, ohne Beichte auskommen. Natürlich kann man Taufen verschieben und Hochzeiten und Priesterweihen. Man kann es auch eine ganze Zeit lang ohne Essen aushalten. Aber es ist eben ein Hungern und es ist ein Leiden.

Der Hunger des Leibes wird nicht durch Kochshows auf YouTube gestillt und der Hunger der Seele nicht durch Messe-Übertragungen.

Die Sehnsucht nach der Eucharistie, nach der Vereinigung mit Christus und damit auch der Vereinigung mit der ganzen Christenheit muss ernst genommen werden. Egal wie weit wir voneinander entfernt sind, wenn wir die Eucharistie empfangen, sind und bleiben wir im Leib Christi so nah beieinander wie es nur geht. So ist die Kommunion auch eine gewisse Errettung aus der Einsamkeit, in die viele Menschen jetzt fallen.

Eine Messe abzusagen ist nicht das Gleiche wie ein Groß-Event abzusagen, sondern eher wie ein Schließen aller Supermärkte, Bäcker und Apotheken. Wir sind keine Heiligen - zumindest die meisten von uns nicht. Wir sind auf die Sakramente angewiesen, wir brauchen die Taufe, die Eucharistie und die Beichte, um in Christus zu bleiben und um nicht von der Liebe zu ihm abzuweichen. Wir brauchen sie, um zu leben. Wenn es zu lange dauert, werden sonst manche von uns geistlich verhungert sein - für einige kann es zu spät sein.

Bitte seid für uns kreativ!

Natürlich ist es unter diesen Umständen schwierig, Möglichkeiten zu finden, die Sakramente verantwortungsvoll zu spenden. Selbstverständlich gilt es, die Umstände, Auflagen und Perspektiven mit einzubeziehen, von denen einige uns als Laien gar nicht bewusst sind. Aber bitte, liebe Bischöfe, liebe Priester, lasst uns Gläubige nicht alleine. Findet Wege der Sakramentenspendung, die möglich und machbar sind. Seid beim Schutz der Priester und der Gläubigen mutig und kreativ wie die Bäcker und Supermärkte. Ihr selber könnt weiterhin täglich die Eucharistie empfangen. Könnt ihr den Hunger nachvollziehen, den die euch anvertrauten Gläubigen haben? Bitte findet Wege, uns die Sakramente zu spenden, bitte lasst das Regal der Gnaden nicht länger leer. Gott wird es euch reich vergelten.

 

Einige kreative Umsetzungen, wie man es machen könnte:

  • Grevenbroich. Die Geistlichen wollen das jeden Sonntag, ab 12 Uhr, machen; immer in einer anderen Gemeinde. Sie kündigen nicht an, wo sie sein werden, um zu vermeiden, dass es zu Menschenansammlungen kommt.

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  • Neapel. Messfeier auf Kirchendach, die Gläubigen feierten von Balkonen aus mit.

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  • Erzdiözese Indianapolis. Hl. Messe auf Parkplatz der Pfarre. Altar und Ambo unter einem Zeltdach, die Gläubigen feierten von ihren Autos aus mit. Die Gebete und Lesungen wurden per niedriger Frequenz über Autoradios empfangen.

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  • Bischop Michael Olson, Fort Worth, Texas. Hielt mit Behörden Rücksprache und gab Direktiven zur Messfeier aus: Kommunionausteilung im Anschluss an die Messe außerhalb der Kirchen unter Einhaltung von Sicherheitsabstandes zwischen den Gläubigen.

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  • Wisconsin, USA: Ein Pfarrer stellte Körbe mit Sakramentalien zur freien Entnahme vor sein Haus: Weihwasser-Fläschchen, an Epiphanie gesegnete Kerzen, Skapuliere.

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  • Pfarre St. Francis of Assisi, Oakville (Missouri, USA): Beichte hören durch das Pfarrhaus-Fenster zum Parkplatz.

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  • Pfarre St. Andrew (Maryland, USA): Eucharistische Anbetung am Pfarrparkplatz.

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  • Hl. Karl Borromäus: als Erzbischof von Mailand während der Pest-Plage führte er Buß-Prozessionen und ließ 20 Steinsäulen mit Kreuzen auf den wichtigsten Plätzen und an Kreuzungen errichten, bei denen die Hl. Messen gefeiert wurden, denen die Menschen von ihren Häusern aus zuschauen konnten.

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