Interview mit dem BDKJ-Vorsitzenden Thomas Andonie

 

Thomas Andonie ist seit 2017 der Bundesvorsitzenden des BDKJ. In Vertretung des Deutschen Jugendverbandes hat er als Auditor an der Jugendsynode in Rom teilgenommen. Wir haben ihn im Interview über seine Erfahrungen und Einschätzungen der Synode befragt. 

Würden Sie sagen, die Synode war vom Heiligen Geist geleitet?

Das hoffe ich. Denn ich habe schon den Eindruck, dass es in der Synode als Einzelner als auch als Gemeinschaft ein Hören auf den Heiligen Geist gab. Dazu dienten nicht zuletzt auch Zeiten des Gebets. Das war vielen Teilnehmenden und mir persönlich sehr wichtig.

Sehen Sie bei der weltweiten Synode die Gefahr eines kulturellen bzw. theologischen Eurozentrismus?

Es war für mich hier spürbar, dass Kirche aus allen Kontinenten zusammentrifft und sich alle gleichermaßen einbringen konnten. Um alle Anliegen zu berücksichtigen und auch den unterschiedlichen Lebenssituationen gerecht zu werden, schlägt Papst Franziskus den Weg der Dezentralisierung vor. Das unterstützen wir.

Gab es Synodenteilnehmer, die Sie persönlich besonders beeindruckt haben?

Da ist es ehrlich gesagt schwierig, jemanden herauszuheben. Was mich aber persönlich sehr betroffen machte, war das Statement des jungen Auditors Safa aus dem Irak, der sehr eindrücklich vom Krieg berichtete und für ein intensiveres Friedensengagement warb.

Einige der Synodenteilnehmer kritisierten, ebenso wie Papst Franziskus, den Klerikalismus. Geht es dabei um Kritik an Einzelnen oder an der hierarchischen Struktur der Kirche?

In meinen Augen müssen wir dringend die Strukturen verändern, die zu Klerikalismus führen. Das Fehlverhalten einzelner ist aber auch nicht ausschließlich durch die Strukturen erklärbar. Ich würde also sagen: Beides.

In Ihrem Wortbeitrag betonten Sie die Notwendigkeit, das Thema sexueller Missbrauch auch bei der Synode in den Vordergrund zu stellen – ist das geschehen? Was wird diesbezüglich konkret passieren?

Es gab einen intensiven Austausch darüber. Was dazu konkret im Abschlussdokument stehen wird, weiß ich heute noch nicht. Klar ist aber, dass Aufarbeitung und Prävention weltweit intensiviert werden müssen. Ich habe es in meinem Intervento gesagt: Wenn die Kirche dieses Unrecht nicht entschlossen bekämpft und beendet, wird sie ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen – besonders der jungen Menschen – nicht wiedererlangen bzw. dauerhaft verlieren.

Was bedeutet ihre Aussage „Berufungspastoral in ihrer Breite denken“ in einem „Nicht-Theologen Deutsch“? Vielleicht können Sie ein Beispiel nennen?

Das ist nicht schwer: jeder junge Mensch hat eine Berufung und sollte von der Kirche - also von uns - dabei unterstützt werden, diese zu finden. In den Jugendverbänden realisieren wir diese Art der Begleitung. Dabei sind Jugendliche als erstes füreinander Ansprechpartner*in. Dann gibt es bei uns die Geistlichen Verbandsleiter*innen, die im Speziellen Hilfestellungen geben können.
Wenn man Berufungspastoral so breit denkt, wird deutlich, dass Jugendpastoral und Berufungspastoral insgesamt stärker zusammen gedacht werden müssen. Innerhalb einer so breit aufgestellten Jugend- bzw. Berufungspastoral werden dann manche auch ihre Berufung beispielsweise zum Priesteramt entdecken.

Kann Demokratie bzw. ein demokratischer Prozess ein Mittel zur Wahrheitsfindung sein?

Das Zweite Vatikanische Konzil spricht vom "sensus fidelium", dem Glaubenssinn des Gottesvolkes. Als Getaufte und Gefirmte haben die Menschen einen Instinkt für die Wahrheit des Evangeliums. Wenn wir das zurecht annehmen können, ist es doch nur logisch, möglichst viele Menschen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und gemeinsam zu versuchen, dem Willen Gottes immer mehr zu entsprechen.

Glauben Sie, dass die Erfüllung aller Forderungen des BDKJ dazu führen würde, dass mehr junge Menschen zum Glauben an Christus kommen? Warum?

Hinter unseren Forderungen steht ja eine übergroße Mehrheit der katholischen Jugend. Dies zeigen uns die Rückmeldungen aus den Jugendverbänden aber auch unsere Befragungen zu den jeweiligen Themen bei allen katholischen Jugendlichen. Dabei sind unsere Forderungen ja kein Selbstzweck, sondern sie sollen dazu führen, dass wir glaubhafter Kirche sein können. Und eine glaubhafte Kirche führt dazu, dass mehr Menschen zu Christus finden.

Wie leben Sie persönlich als junger Mensch ihr Christsein konkret? Wie verändert das Ihr Leben im Vergleich mit anderen jungen Menschen?

Mir ist neben der Feier des Gottesdienstes und meinem persönlichen Gebet in den letzten Jahren ein Wort von Papst Franziskus immer wichtiger geworden: „Verkündet das Evangelium, wenn nötig mit Worten.“ Überzeugend sind Christ*innen also, wenn sie tun, was sie glauben. In den Jugendverbänden sagen wir dazu: Glaube in der Tat.

Was bedeutet für Sie Heiligkeit?

Das Gebet von Papst Franziskus am Ende des Instrumentum laboris fasst es in meinen Augen sehr gut zusammen: Junge Menschen können nach Heiligkeit streben, indem sie ihr Leben mutig in die Hand nehmen, dabei begleitet werden und Jesus verkünden.

Wie sähe für Sie der idealste und wie der schlechtmöglichste Ausgang der Synode aus?

Ich bin dankbar, dass ich Anliegen junger Menschen aus dem deutschsprachigen Raum einbringen konnte und hoffe, so meinen Teil beigetragen zu haben. Klar ist aber: Die Jugendsynode ist kein Ende, sondern ein Anfang. Es muss weitergehen – wir brauchen Veränderung!

Herzlichen Dank für dieses Interview!

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