How to live equality? Ehe als Schule der Gleichberechtigung

 

Von Ursula Harter

Und wieder rollt über uns eine Welle von #aufschrei und Solidarisierung unter Frauen #metoo und will alle darauf aufmerksam machen, dass Sexismus ein allgegenwärtiges und schreckliches Problem unserer Gesellschaft ist. Okay, soweit so gut. Aber reicht das dabei stehen zu bleiben? Ich habe das Gefühl, dass dieses ewige Moralisieren und Anklagen langsam einfach hysterisch wirkt und vor allem nervt. Und dadurch wirkt das brennende Problem selbst nervend, hysterisch und – halt so‘n Frauenproblem. Und das ist der Moment an dem alle Alarmglocken durchdrehen sollten! Wollen wir wirklich das Problem verschärfen, mit dem, wo wir ihm eigentlich entgegnen wollen? Oder wollen wir es endlich wirklich bekämpfen und Lösungen suchen?

Ich glaube an Lösungen! Ich glaube an Gleichberechtigung. Und ich glaube damit nicht an irgendein Wolkenkuckucksheim, sondern ich kenne und erfahre Gleichberechtigung und gegenseitige Achtung. Nicht im öffentlichen Diskurs, nicht in einer Diskussion, sondern mitten im Leben. Ich kenne viele Männer und Frauen, die miteinander leben, arbeiten und konstruktiv sind: Es sind die Frauen und Männer, die in Ehe und Partnerschaft das ganze Leben mit allen Bereichen friedlich, gleichberechtigt, achtungsvoll, erfüllt und konstruktiv zusammen managen.

Was wir heute brauchen sind Ehen. Und zwar verdammt gute Ehen! Echte Partnerschaften, die das versuchen zu halten, was sie sich versprechen: Achtung, Treue, Liebe. Echt Männer und echte Frauen, die zusammenleben und arbeiten, die sich streiten und versöhnen können, die sich gemeinsam auf den Weg machen, um zusammen um die Entfaltung der anderen und der eigenen Persönlichkeit zu kämpfen. Hier kann der Kampf der Geschlechter sein Ende finden, denn hier werden Mann und Frau ein Team auf allen Ebenen. Sie können sich als Frau und als Mann in ihrer Zusammenarbeit entfalten, sie können effektiv und konstruktiv arbeiten, weil sie ihre verschiedenen Fähigkeiten und Arten des Seins zusammentun. Ja, die Kreativität einer Frau plus die eines Mannes bleibt einfach unübertroffen – man schaue sich nur die Kinder an😉. Es ist die Ehe, in der wir erleben können, dass es keine Abstufung in einer Aufgabenteilung geben muss. Und dass die sexuelle Anziehung kein Hindernis im Verhältnis sein muss, sondern eine Erfüllung sein kann. Und dass Hingabe und Aufopferung für jemand anderen nicht schadet, nichts verlieren lässt, sondern dazu gewinnen lässt. Und, dass Beziehung Zeit und Raum braucht - ja Ewigkeit. Und, dass Perfektion nicht der Weg ist, sondern das Ziel und auf dem Weg dorthin viel Versöhnung und Erneuerung liegt.

Es ist einfach genug allgemein darüber lamentiert worden. Wir sollten nun dorthin schauen, wo Gleichberechtigung bereits existiert und in naher Zukunft existieren wird. Denn es geht nicht um die Geschlechter allgemein und um Mann X vs. Frau Y. Nein, es geht um dich und mich und sie und ihn. Es geht um individuelle Menschen, die sich entwickeln und verändern und die keinen Kampf gewinnen wollen, sondern geachtet, respektiert und geliebt werden wollen. Wir sollten vielmehr Kraft reinstecken, dass unsere Ehen gut funktionieren. Ja nicht nur das: Dass sie fantastisch sind, dass sie so viel Spaß machen und Erfüllung bringen, dass jeder so leben will! Denn Gleichberechtigung und Wertschätzung entstehen aus einer Haltung. Und diese entsteht aus dem, was wir erfahren. Welchem ehrlich geliebten Mann fällt es dann noch leicht, Frauen auf ihr Äußeres zu reduzieren, während er von der faszinierenden Persönlichkeit seiner Frau weiß? Und wie viele Paare würden sich wieder darauf einlassen, einander ernsthaft ewige Liebe, Treue und Achtung zu versprechen? Und wie viel mehr Menschen könnten an ein erfülltes Frau- und Mann- Sein glauben und den Sinn von Geschlechtlichkeit wiederentdecken?
Hören wir auf zu lamentieren und anzuklagen, bevor das Problem zerredet ist. Lassen wir Verletzungen und Enttäuschen nicht einfach stehen, sondern heilen und trösten wir. Zeigen wir Perspektiven und Möglichkeiten, halten wir Wünsche und Träume fest. Fassen wir uns an die eigene Nase und entgegnen wir dem Problem mit Lösungen. Ganz konkret, ganz persönlich, ganz individuell. Zusammen im Team als Mann und als Frau.

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