Ein ökumenisches Triduum - ein katholischer Blick auf die Festwoche

 

Drei Feste erwarten Christen in Deutschland in dieser Woche, der Reformationstag, Allerheiligen und Allerseelen.
Abgesehen davon, dass man hierzulande heute am Reformationstag abends die bösen Geister austreibt, damit am nächsten Tag gebührend das Fest aller Heiligen gefeiert werden kann, stellt sich in diesem Jahr für uns Katholiken stärker als sonst die Frage, wie wir eigentlich darauf reagieren können, dass heute vor 500 Jahren die große Spaltung der westlichen Christenheit begonnen hat. Können wir es feiern, dass über Jahrzehnte dadurch tausende, hunderttausende, ja Millionen von guten Christen nicht durch die Sakramente zum Heil gelangen konnten?
Und sind wir nicht dennoch froh und dankbar über unsere Geschwister, die mit uns beten, kämpfen und lieben mit dem Ziel, später in Christus vereint zu werden?
Wie gehen wir mit diesem Fest um, ohne das Leid zu verbergen, dass die Reformation gebracht hat und ohne das Gute und Heilige zu ignorieren, dass Christen aller Konfession in diesen 500 Jahren für das Reich Gottes getan haben?

Gott hat viele Möglichkeiten, sich uns zu offenbaren, eine davon ist vielleicht das liturgische Kirchenjahr. (Zugegeben das ist ein ziemlich katholischer Ansatz).
Vielleicht ist es kein Zufall, dass Allerheiligen und Allerseelen direkt dem Reformationstag folgen, vielleicht enthält es eine Antwort auf diese zweifelnden Fragen. An Allerheiligen gedenken wir nicht nur der großen Schar der Heiligen, die von der Kirche offiziell in diesem Stand bestätigt wurden - nein, wir feiern auch gerade die Heiligen, von denen vielleicht niemand weiß, dass sie bei Gott sind, denen vielleicht niemand eine Verehrung zukommen lässt, aber die dennoch um den Thron Gottes sitzen. Diejenigen, die durch ihren Glauben, ihr Leben, ihre Liebe zu Gott gelangt sind. Es ist auch das Fest der Heiligen, die nicht als Katholiken, aber doch als getaufte Christen, den Weg in den Himmel geschenkt bekamen. Wie auch immer - wir können unsere vorausgegangenen Vorbilder da oben bitten dass sie uns allen Christen den Weg zeigen, um ihnen zu folgen. Worüber auch immer wir uns streiten - die da oben wissen, was wahr und gut ist und werden es daher richten.
Auf die Heiligen folgen die Seelen. Aller verstorbener Seelen gedenken wir am Donnerstag. Eine zweite ökumenische Aufgabe, die sich uns in diesem Jahr bei diesem Fest aufdrängt ist das Beten für alle armen Seelen. Welcher Konfession sie waren, spielt keine Rolle wenn sie es ins Fegefeuer geschafft haben, auch wenn sie dessen Existenz vorher vielleicht gar nicht glaubten. So wie wir später das Gebet brauchen werden, brauchen sie jetzt unseres. Beten wir also für alle(!) verstorbenen Seelen, dass sie Gottes Barmherzigkeit erfahren.

Wir können gemeinsam feiern, nämlich dass wir durch die Gnade Gottes immer die Chance haben, in ihm und durch ihn vereinigt zu werden. Beten wir zu allen Heiligen dafür und beten wir für alle Armen Seelen. Eins ist sicher, es wird richtig ankommen, da oben!

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