Kirche 2017 oder: Ich liebe Dich trotzdem!

 

Von Ursula Harter

Ein Doppelleben hinter jedem zweiten Priester, viel zu viel Geld für Hochglanz-Flyer ohne Inhalt, langwierige Predigten über dein Freund der Baum und Bischöfe in Rom und überall ohne wirkliche Meinung – ja wir sind ein richtiger Karnevalsverein! Und ja es fällt mir schwer und immer schwerer froh und selbstbewusst zu sagen: Ja, ich bin katholisch. Ich bin tatsächlich als Frau des 21. Jahrhunderts Mitglied der Katholischen Kirche; des weltweiten und ältesten Versager – Vereins, der die unerreichbarsten und geschichtlich unübertroffenen höchsten Ideale aufstellt, die man sich so vorstellen kann. Wir wollen „heilig“ sein; „Licht der Welt“ und das „Salz“ in der Suppe; diejenigen, die wissen wollen, dass Gott dreieinig ist, ein Vater für uns ist, und, dass es ein Leben nach dem Tod gibt… - alles klar. Ja, wir sind ziemlich unauthentisch. Ja, wir enttäuschen uns selbst und andere ständig. Ja, wir haben alles Recht als Schafe so richtig über unsere „Hirten“ rumzublöken und es besser zu wissen. Ja, wir sind eine volle Enttäuschung.

Der Witz an der ganzen Sache: Jesus wusste das! Er wusste, dass er sich selbst und seine Botschaft uns Versagern anvertraut. Er wusste, dass seine Gebote für uns unerreichbar hohe Ideale stecken und das wir immer wieder daran scheitern werden. Ein grausamer Gedanke?
Nein, denn er ist an unserer Seite. Niemand kennt den Schmerz der Enttäuschung besser als er. Das ist so richtig Karfreitag: Das Leid der Enttäuschung. Niemand kann jemals so enttäuscht gewesen sein, wie Jesus es am Kreuz gewesen sein musste. Denn niemand hat so viel gegeben, so sehr an jeden von uns und an unsere Gemeinschaft geglaubt. Und niemand hat wie er das ganze Ausmaß unseres Versagens gesehen, wie er es tut.
Und warum dann das Ganze?
Auf Karfreitag folgt Ostern, das ist sicherer als das Amen in der Kirche. Denn es sind nicht wir die Ostern „machen“ - wir machen niemanden wieder lebend, nichts ganz heil was kaputt ist. Wir machen weder unseren Karnevalsverein ernstzunehmend und authentisch, noch uns selbst perfekt. Nein, es sind nicht wir, die Ostern machen – es ist Gott. Es ist Gott der den Tod überwindet, es ist er, der aus der größten Enttäuschung den jubelnden Sieg davonträgt und es ist er, der die Enttäuschung durchleidet um uns seinen Sieg zu schenken. Er ist es, der es uns möglich macht, seine Ideale zu erfüllen und zu leben wie er. Gott macht Ostern, aus jedem Karfreitag, aus jedem Kreuz der Enttäuschung und des Leids, welches wir zu ihm bringen.
Ja, ich bin katholisch. Ich bin im ganz konkreten Verein Kirche 2017 mit meinem Pfarrer hier vor Ort, meinem Bischof und Papst, meinem Ehemann und meinen Kindern - jetzt und hier. Mit ihnen allen erlebe ich, erfahre ich Karfreitag und erlebe ich Ostern. Mit ihnen kann ich zu Jesus ans Kreuz gehen und sagen: „Ich danke Dir, dass Du mich kennst und trotzdem liebst.“

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